Gerne möchten wir Sie auf das Buch «Im öffentlichen Dienst: Kontrastive Stimmen aus einer Arbeitswelt im Wandel» (ISBN 9783837627701), erschienen im transcirpt Verlag (Bielefeld), aufmerksam machen.

Ein besonderes Augenmerk möchten wir auf den Buchartikel «Vom „Dienen“ mit Leib und Seele zur „Work-Life-Balance“: Metamorphosen des ärztlichen Habitus am Beispiel zweier weiblicher Berufsbiographien» legen. Der Artikel ist ein Praxisbeispiel, wie mit qualitativen Forschungsmethoden fachlich fundierte Informationen gewonnen werden können.

 

Entstehung Projekt und Buch

Das Buch entstand im Rahmen eines Forschungsprojektes, an dem sich drei Forscher-Teams aus Deutschland (Hamburg), Österreich (Wien) und der Schweiz (St.Gallen) beteiligt haben. Das Projekt trug den Namen «Im Dienste öffentlicher Güter: Akteure, Institutionen, Praktiken» und beschäftigte sich eingehend mit den Berufsbiographien und dem Berufsethos von Menschen, die im öffentlichen Dienst tätig sind. Ein zentrales Interesse bestand darin in Erfahrung zu bringen, wie sich Rationalisierungs-, Ökonomisierungs- und Privatisierungstendenzen auf den Berufsethos von Menschen, die im öffentlichen Dienst, wie beispielsweise im Krankenhaus in der Pflege oder Ärzteschaft tätig sind, auf ihr Selbstverständnis und ihre Berufslaufbahn im Allgemeinen auswirken.

Im Artikel «Vom „Dienen“ mit Leib und Seele zur „Work-Life-Balance“: Metamorphosen des ärztlichen Habitus am Beispiel zweier weiblicher Berufsbiographien» werden die Biographien zweier Ärztinnen geschildert. Die Erfassung der Laufbahnen dieser beiden Ärztinnen konnte in der Tiefe nur dank ihrer Bereitschaft erfolgen, uns im Rahmen zweier Experteninterviews Rede und Antwort zu stehen.

Das Buch und der Artikel veranschaulichen exemplarisch, wie objektive Veränderungen im Arbeitsalltag dazu führen, dass Arbeitnehmende Strategien zur Legitimation und zur Anpassung an das neue Arbeitsumfeld entwickeln. Diese Strategien helfen ihnen weitestgehend sich mit den Veränderungen ab- oder zurecht zu finden. Dennoch geht nicht jeder Arbeitgeber bzw. Arbeitnehmender gleichermassen mit Veränderungen um. Für den einen stellen neue Rahmenbedingungen eine Chance dar, bei anderen macht sich ein Gefühl der Unsicherheit breit. Nicht selten kommen bei den betroffenen Arbeitnehmenden viele Fragen auf, deren Beantwortung sich teilweise über Monate zieht. Dies kann mitunter dazu führen, dass Arbeitnehmende sich aufgrund fehlender Informationen über die Veränderung weniger mit ihrem Arbeitgeber identifizieren oder sich sogar nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen.

 

Erkenntnisgewinn im direkten Austausch – Vorteile des Experteninterviews

Interviews mit betroffenen Arbeitnehmenden, aber auch Arbeitgebern helfen uns, diese Fragen, Unklarheiten, Bedenken und Ängste sichtbar zu machen. Das «an die Oberfläche bringen» ermöglicht uns eine breitere und proaktive Ansprache. Je früher wir die Gelegenheit erhalten in den Diskurs zu treten, umso eher können adäquate Massnahmen, wie beispielsweise ein auf den Veränderungsprozess und das Erkenntnisinteresse der Arbeitnehmenden abgestimmtes Kommunikationskonzept, ergriffen werden.

Bei der Massnahmenausarbeitung legen wir grossen Wert auf die aktive Teilnahme der Arbeitnehmenden. Eine frühzeitige Involvierung hilft dabei Missverständnisse, Gerüchte oder bereits entfachte Konflikte zu thematisieren und zu klären.

Um eine möglichst umfassende Darstellung der aktuellen Arbeitswelt und ihrer Herausforderung sowie valide Erkenntnisse aus den Interviews zu erhalten, veranschlagen wir im Zuge eines «pluriperspektiven» Ansatzes immer eine ausreichend grosse Anzahl an Interviews. Dies ermöglicht ein breit abgestütztes Spektrum an persönlichen Erfahrungen und Interessenlagen, die sich im Anschluss zu allgemeinen Erkenntnissen objektivieren lassen.

 

Neue Erkenntnisse durch Change Diagnostics

Unsere Dienstleistungen im Bereich Change Diagnostics schaffen Transparenz in Bezug auf die in Ihrer Organisation vorhandenen Stimmen und individuellen Einstellungen zum Wandel. Die Aussagen der einzelnen Arbeitnehmenden stehen für sich. Der Nutzen unseres Ansatzes für Ihre Organisation ergibt sich durch die Gegenüberstellung von Konvergenzen (Übereinstimmungen) und Divergenzen (Abweichungen), die wir strukturiert aus den Interviews herausarbeiten. Erst die Gegenüberstellung von alternativen Sichtweisen ermöglicht es zu objektiven Aussagen zu gelangen, wie sich strukturelle Veränderungen auf Arbeitnehmende auswirken.

Für unsere Arbeitsweise verwenden wir gerne den Begriff des «Knetens» der jeweiligen Interviewinhalte bzw. -aussagen. Dabei werden die Inhalte mehrfach sortiert, strukturiert und themenzentriert verglichen, bis wir deren Kernaussagen herausgearbeitet haben und nicht mehr die persönlichen Positionen im Vordergrund stehen. Wir wollen erkennen, woher diese Positionen stammen, weshalb ein Arbeitnehmender genauso denkt, handelt und wahrnimmt und welche unternehmensweiten Strukturen, Zusammenhänge und Abläufe sich erkennen lassen. Die Analyse ermöglicht uns nicht sichtbare, aber gelebte Strukturen oder hierarchische Muster zu erkennen, die den Umgang mit Veränderungen durch die Arbeitnehmenden wesentlich stärker beeinflussen können als die sichtbaren.

Die Basis der Analyse bilden immer die geäusserten Positionen der interviewten Personen. Diese reichen wir zusätzlich mit sozio-demographischen Daten, wie der hierarchischen Position, der Herkunft des Befragten, dessen Zugangs zu Ressourcen wie Bildung, der individuellen Karriereplanung und zahlreichen weiteren soziostrukturellen Merkmalen, an.

Wie Menschen mit Veränderungen umgehen, hängt sehr stark von ihrem persönlichen Erfahrungshorizont und ihrer Lebenswelt ab.

Eine Veränderung kann nur dann erfolgreich verlaufen, wenn eine Organisation weiss,

  • welche Auswirkungen die Veränderung hat,
  • wie sie unterstützende Massnahmen für die Führungskräfte und ihre Arbeitnehmenden entwickeln kann, damit diese mit der Veränderung umgehen können,
  • welche Massnahmen auf Akzeptanz stossen und hierdurch in die Umsetzung gelangen und
  • wie diese Massnahmen nachhaltig umgesetzt werden.

Wir hoffen Ihr Interesse geweckt zu haben.

Den gesamten Artikel (S. 257-282) können Sie dem nachfolgenden Link entnehmen:

«Vom „Dienen“ mit Leib und Seele zur „Work-Life-Balance“: Metamorphosen des ärztlichen Habitus am Beispiel zweier weiblicher Berufsbiographien»